Das Zweite Vatikanum und die Jahre nach dem Konzil

 
  Inzwischen rückt das von Papst Johannes XXIII. einberufene Zweite Vatikanum immer mehr in den Mittelpunkt mit „Fragen an das kommende Konzil“ von Kardinal Döpfner, mit einem Rückblick auf „Die Stätten der alten Konzilien“ von Peter Stockmeier, mit der Verbindung „Von Vatikanum I zu Vatikanum II“ von Abt Hugo Lang oder mit einem Ausblick auf „Das Konzil und die moderne Gedankenwelt“ von Joseph Kardinal Frings. Ständiger Konzilberichterstatter für das „Klerusblatt“ ist Pater Mario von Galli SJ, der den bayerischen Klerus mit regelmäßigen Informationen über die Beschlüsse auf dem Laufenden hält.  
  Hier soll lediglich die einschneidende Bedeutung der römischen Versammlung festgestellt werden, deren Umsetzung im täglichen priesterlichen Wirken und deren konkrete Auswirkungen auf den bayerischen Klerus sich nicht zuletzt im „Klerusblatt“ widerspiegeln. Dabei nimmt natürlich die Liturgiekonstitution einen breiten Raum ein, und es wird im „Klerusblatt“ heftig über das Pro und Contra der Landessprache im Gottesdienst diskutiert, aber es werden auch die „Liturgie der Gegenwart in Kirchen des Barock“ (Hugo Schnell) besprochen, der neue Stellenwert der Kirchenmusik „z. B. Heinrich Wiesmeyer) oder praktische Hinweise für ökumenische Gottesdienste gegeben. Als zusammenfassende Konzilsnachlese können dann vier im „Klerusblatt“ veröffentlichte Vorträge gelten: „Das Konzil – ein neuer Beginn“ von Karl Rahner, „Ökumenische Bilanz des Konzils“ von Augustin Kardinal Bea, „Katholizismus nach dem Konzil“ von Joseph Ratzinger und „Konzil und Weltpriester“ von P. Mario von Galli.  
 

Der Tod von Papst Johannes XXIII. während des Konzils am 3. Juni 1963 und der Amtsantritt von Paul VI. 18 Tage später gehören zwar in die große Kirchengeschichte, aber hier muss doch der Nachruf P. Mario von Gallis auf Johannes XXIII. im „Klerusblatt“ erwähnt werden, der den verstorbenen Hl. Vater ganz schlicht den „Guten“ nennt, mit dessen Schlagwort vom „Aggiornamento“ für die Katholische Kirche doch ein neues Kapitel angebrochen ist.

 
  Dafür ist das „Klerusblatt“ ein Indikator: Waren dessen Themenbereiche zunächst durch das Dritte Reich und die Nachkriegszeit eingeengt bzw. bestimmt, so drängen in den 60er Jahren neue Schlagworte herein wie Ökumene, Sekten, „Würde und Sendung der Laien“, „Verhältnis der Jugend zum Glauben und zur Kirche“ oder „Hotel- und Gaststättenseelsorge, ein vernachlässigtes Sorgenkind“. Überhaupt scheint das „Klerusblatt“ „Aggiornamento“ wörtlich zu nehmen, wenn es unter der Schriftleitung Leon von Kukowskis vermehrt – auch mit Abbildungen – von zeitgenössischen Künstlern, etwa Ruht Schaumann, Christine Stadler, Max Faller oder Thomas Zacharias, berichtet und damit die Kirchenkunst in den Dienst der Verkündigung stellt. Außerdem werden alljährlich anlässlich der Generalversammlung von Klerusverband und LIGA die modernen Kirchenbauten der jeweils gastgebenden Diözese vorgestellt, 1967 etwa jene der Diözese Passau, denn dort fand – traditionell am Dienstag und Mittwoch nach Pfingsten - die 45. Generalversammlung des Klerusverbandes und der LIGA im Diözesan-Exerzitienhaus Mariahilf, Passau, statt. Beinahe regelmäßig kann Landessekretär Ludwig Rieder auf den Generalversammlungen berichten, dass ca. 90 % des bayerischen Klerus im Verband organisiert sind, dass auch die meisten Neupriester ihren Mitgliedsantrag ins Landessekretariat schicken, wenngleich sich in diese positiven Nachrichten die Trauer um die vielen im vergangenen Vereinsjahr verstorbenen Mitbrüder mischt sowie die Klage um den spärlichen Priesternachwuchs und schließlich die Aufforderung, die noch schlummernden „stillen Reserven“ zu wecken. Zur Generalversammlung gehört ferner der Bericht des Schriftleiters des „Klerusblattes“, Leon von Kukowski, mit seiner wiederholten Bitte um Konstruktive Kritik und um Verständnis für die Probleme, Schwierigkeiten und Nöte eines Redakteurs, der nicht immer die gewünschten Autoren gewinnen kann und den Umbruch oft mit Kompromisslösungen und unter Zeitdruck in die Druckerei geben muss.  
  Mit der Juni-Nummer 1968 erscheint das „Klerusblatt“ im neuen Gewand; der Übersichtlichkeit halber ist es nun nicht mehr zwei-, sondern dreispaltig; es nimmt Abschied vom vertrauten „Klerusblatt“-Schriftzug mit seinem standfesten, bauchigen „K“, das einige Nummern lang mit den priesterlichen Insignien des Kreuzes und des Kelches geschmückt war, und es vertauscht ihn gegen ein sachliches, nun kleingeschriebenes, allerdings nicht minder selbstbewusstes „Klerusblatt“.  
  Eine Aufgabe der Generalversammlung ist schließlich die Bestätigung bzw. die Neuwahl des Verbandsvorsitzenden, die 1967 nach dem Rücktritt des verdienten und langjährigen ersten Vorsitzenden Msgr. Dr. Joseph Holzer erforderlich war. Damals viel die Wahl auf den Münchner Stadtpfarrer Msgr. Konrad Miller, der ein Jahr später im „Klerusblatt“ die unterschiedlichen Zielsetzungen von Priesterverein / Klerusverband und Priesterrat grundsätzlich darstellt und die Notwendigkeit beider hervorhebt: Während die nach dem Zweiten Vatikanum gebildeten Priesterräte dem jeweiligen Ortsbischof als beratendes Organ zur Verfügung stehen, greift der Priesterverein Anregungen aus den Reihen des Klerus auf und trägt sie an den entsprechenden kirchlichen oder stattlichen Stellen vor, außerdem ist der Priesterrat eine diözesane Einrichtung, der Klerusverband aber eine die Diözesangrenzen übergreifende Organisation. Satzungsgemäß gehört zu den Aufgaben des Priestervereins die Pflege des Gemeinschaftsgeistes, die Wahrung und Vertretung der Standesinteressen, die ideelle und materielle Hilfeleistung, die Hilfestellung für die Haushälterinnen der Geistlichen sowie die Förderung der christlichen Erziehung. Haben sich diese Satzungen seit der Gründung des Verbandes auch nicht wesentlich verändert, so rechtfertigt doch die im Laufe der Jahre erfolgte Verschiebung der Schwerpunkte, hier noch einmal die konkreten Aufgaben des Klerusverbandes aufzuzählen, wie Msgr. Miller es in seinem Aufsatz getan hat (1968). Diese Aufgaben sind Rechtsschutz und Rechtsberatung, Unterstützung bei standesspezifischen Problemen der Priester und Verteidigung ihrer Standesehre, die materielle Klerushilfe, die auch ausländischen Geistlichen und Ordensleuten zugute kommt, und schließlich die Hilfe in der Seelsorgs- und Verwaltungsarbeit, die vor allem durch Informationen im „Klerusblatt“ geleistet wird. Bei ihren unterschiedlichen Aufgaben sind Priesterrat und Klerusverband einander also wertvolle Ergänzungen, wobei jeweils der Vorsitzende des Priestervereins durch den Bischof in den Priesterrat berufen werden soll. Schließlich sieht Msgr. Miller „mit ernsten Bedenken“ jene Entwicklungen, die zu „Priestergewerkschaften“ hin tendieren, denn der Klerusverband verstehe sein Wirken stets in Treue zu den Bischöfen und in Liebe zur Kirche.  
  1969 steht dem Klerusverband der 50. „Geburtstag“ ins Haus, der am 28. Mai gefeiert wird. Er beginnt mit einem Pontifikalgottesdienst in der Freisinger Domkrypta und setzt sich am Nachmittag mit einem Festakt im Kardinal-Wendel-Haus in München fort, wo Msgr. Konrad Miller, der Erste Verbandsvorsitzende, vor hohen Gästen – an ihrer Spitze Kardinal Döpfner und Ministerpräsident Goppel – in seiner Begrüßungsansprache auf die „Eckdaten“ der 50jährigen Verbandsgeschichte eingeht und es als Ziel des Klerusverbandes bezeichnet, „das Vertrauen seiner Mitglieder, der jüngsten wie der ältesten Mitbrüder, ebenso wenig zu enttäuschen wie das Vertrauen der Bischöfe“. Im Anschluss daran hält Joseph Ratzinger, damals noch Professor in Tübingen, den Festvortrag zum Thema „Der Priester im Umbruch der Zeit“, in dem er die Zukunft des Priesterberufes von einer Rückbesinnung auf seine im Neuen Testament verankerten tragenden Werte abhängig mach. Im Jahr darauf feiert auch das „Klerusblatt“ sein 50jähriges Bestehen, das mit einer Dokumentation über seine aufrechte Haltung in der Zeit von 1933-1945 gewürdigt wird. Diese Dokumentation schließt inhaltlich an eine Doktorarbeit von Paul Hümmelink an, die den Titel trägt „Seelsorge und Zeit. Das bayerische „Klerusblatt“ als Kommunikationsraum 1920-1933“ (Osnabrück 1966).  
  Das „Klerusblatt“ trägt bei aller Kontinuität in den zentralen Fragen doch immer ganz deutlich die Handschrift des jeweiligen Schriftleiters, so von 1956 bis 1971 jene bereits skizzierte des gebürtigen Münchners und Wahl-Landshuters Leon-Adam von Kukowski (1903-1078), als dessen wesentliche Charaktereigenschaft Stiftspropst Heinrich Fischer von St. Martin in Landshut im Nachruf die „nobilitas“ nennt. Als Msgr. Von Kukowski zum Jahresende 1971 die Schriftleitung an den Würzburger Msgr. Dr. Helmut Holzapfel abgibt, gewinnt dessen Liebe zu Franken an Raum, aber auch seine Weite des Blicks über die Grenzen der bayerischen Kirchenprovinz hinaus, die er sich in Polen, in der nordischen Diaspora und in seiner Eigenschaft als Redakteur des Würzburger Bistumsblattes angeeignet hatte. Die Liebe zu Franken erweist sich etwa in seinen Beiträgen zur Seligsprechung von Liborius Wagner, der – ähnlich wie der Pfarrer von Ars in Frankreich – „Vorbild und Patron unserer Pfarrer“ in Bayern sein soll. Sein Blick über die Grenzen zeigt sich etwa in dem Artikel „Europa und wir, Katholiken an der Wiege der USA“ (1976). Neu ist in jedem Heft ferner das Grußwort des Schriftleiters, in dem er u. a. die meist auf ein zentrales Thema hin orientierten Beiträge vorstellt; neu ist aber vor allem der monatliche Erscheinungsrhythmus, der den bisher 14tägigen ablöst. Die Gründe für diese Änderung sind Überangebot an lesenswerten Zeitschriften, die von den ohnedies überlasteten Geistlichen nicht mehr bewältigt werden können.  
  „Der überforderte Priester“ betitelt 1978 der damalige Bischof von Speyer, Friedrich Wetter, seine Ansprache anlässlich der Generalversammlung des Klerusverbandes, womit er freilich vor allem jene Überforderung meint, die wesensmäßig zum Priestertum gehört, denn „das göttliche Werk, zu dem der Hl. Geist sie (die Priester) berufen hat, übersteigt alle menschlichen Kräfte und alle menschliche Weisheit“ (Vatikanum II, Priesterdekret, Art. 15). Aber es geht auch ganz konkret um die Belastung des Priesters in der alltäglichen Seelsorge, die infolge zunehmenden Priestermangels auf den Einzelnen immer mehr zukommt. So ist – verstärkt seit den 70er Jahren – die Sorge um den Priesternachwuchs im Klerusverband und im „Klerusblatt“ stets präsent, eine Sorge, die Fragen nach dem Sinn von Zölibat, Amt und Ordination nach sich zieht. In dieser Zeit steuert Msgr. Miller als Verbandsvorsitzender einen klaren Kurs: In seinen Grußworten im „Klerusblatt“ und auf den Generalversammlungen wendet er sich gegen Resignation und gegen leere Lösungsformeln, vielmehr ruft er auf zur Aktivierung aller Kräfte in der Seelsorge, zur Konzentration auf das Wesentliche und zur gegenseitigen Bestärkung in der Freude am priesterlichen Dienst. Im Übrigen verweist er immer wieder auf das Zweite Vatikanische Konzil als das säkulare Ereignis, welches das vom „modernen Menschen gesuchte, weil absolut glaubwürdige Priesterbild entwickelt habe.“ Und zur Verwirklichung dieses Priesterbildes habe auch der Klerusverband das Seine beigetragen, etwa durch Studientagungen zu den Themenkreisen „Die Sendung des Priesters“, „Seelsorge“, „Buße und Bußsakrament“, „Verantwortung und Mitverantwortung“, „Religionsunterricht“, „Medien im Dienst der Verkündigung“.  
  All diese Themen sowie die grundlegenden Probleme des Priestertums werden im „Klerusblatt“ in wegweisenden Beiträgen entfaltet, mit denen der Klerusverband den Seelsorgern nicht zuletzt auch zuverlässige Argumentationshilfen bei Diskussionen zur Hand gibt. Stellvertretend für viele seien etwa genannt „Die Vollmacht des Amtsträgers in dogmatischer Sicht“ von Leo Schaffczyk oder „Das priesterliche Amt im priesterlichen Volk“ von Karl Lehmann. Weitere Themenkreise befassen sich mit dem Thema „Fronleichnam“ (u. a. „Der theologische Sinn von Fronleichnam“ von Leo Scheffczyk), mit „Kirchenbau – Kirchenkunst“ (u. a. „Ist christliche Kunst in unseren Tagen möglich?“ von Richard Seewald), mit dem vielstrapazierten Problem der Sexualethik, das im „Klerusblatt“ fachübergreifend behandelt wird oder – anlässlich der Fernsehreihe „Holocaust“ – mit den Schrecken der Judenprogrome im Dritten Reich. Im Übrigen ist auch die Mariologie im „Klerusblatt“ – vor allem in den Monaten Mai und Oktober – vielfach präsent, umso mehr als die Marienverehrung im der Patrona Bavariae geweihten Bayern eine jahrhundertealte Tradition hat (z. B. mit Beiträgen von Abt Hugo Lang, Leo Scheffczyk, Emmeram H. Ritter, später dann u. a. von Michael Seybold, Theodor Maas-Ewerd, Wolfgang Beinert oder Anton Ziegenaus). Seit 1974 schreibt außerdem der Würzburger Dr. Max Rößler zur „Auflockerung“ im „Klerusblatt“ unter dem Titel „Mit brüderlicher Stimme“ allmonatliche „kurze Notizen und Betrachtungen“.  
  In den Jahren 1976-1978 treffen den Klerusverband mehrere Todesfälle: am 19. Oktober 1977 stirbt Msgr. Dr. Joseph Holzer, der langjährige Pfarrer von Maria Hilf in München, der – wie es im Nachruf heißt – „von 1954 bis 1967 … mit ganzer Hingabe die Geschicke des Verbandes geleitet hatte“. Gut zwei Monate später folgt ihm sein Amtsvorgänger als Verbandsvorsitzender (1942-1954), Prälat Dr. Franz Stadler, ins Grab, der fast ein viertel Jahrhundert der Erzbischöflichen Finanzkammer als Direktor vorgestanden hatte, der am Aufbau der LIGA mitgewirkt hatte und 1948 ins Domkapitel berufen worden war. Im September 1978 muss das „Klerusblatt“ den Tod seines langjährigen Schriftleiters Leon von Kukowski melden. Ferner gehören hierher – die Verbandsgeschichte übergreifend – der plötzliche Tod Kardinal Döpfners (1976), der sich dem Klerusverband stets eng verbunden fühlte und die Berufung Joseph Ratzingers auf den Stuhl des hl. Korbinian. Und schließlich das „Jahr der drei Päpste“ (1978): Erst der Abschied von Paul VI., dann der 33-Tage-Papst Johannes Paul I., den Msgr. Holzapfel treffend im „Klerusblatt“ gewürdigt hat: „Mit einem schlichten und echten Lächeln kann man Menschen für sich und seine Sache gewinnen. Das hat uns Johannes Paul I. in diesen 33 Tagen gelehrt. Kirche und Welt sind durch seinen frühen Tod um eine Hoffnung ärmer geworden.“ Und schließlich die Wahl Karol Wojtylas: Als Kardinal von Krakau war er 1977 in Mainz mit der Ehrendoktorwürde ausgezeichnet und im „Klerusblatt“ entsprechend geehrt worden. Wenige Tage vor seiner Wahl hatte er mit einer polnischen Bischofsdelegation u. a. München und Dachau besucht, als Johannes Paul II. wendet er sich dann mit einem umfassenden und richtungsweisenden – im „Klerusblatt“ veröffentlichten – Brief „An alle Priester der Kirche“. Als der Papst 1980 erneut nach München kommt, kann ihm Msgr. Miller Ziborien und Paramente aus den Werkstätten der damals noch dem Verband angeschlossenen Brandner AG, Regensburg, überreichen und Msgr. Holzapfel schenkt dem Hl. Vater, den er aus dessen Krakauer Jahren persönlich kennt, seine in Leder gebundene Festschrift zum 65. Geburtstag.  
  Die frühen 80er Jahre bringen für den Klerusverband einen Wechsel in den führenden Positionen: 1982 erklärt Msgr. Miller, dass er nach 15 Jahren an der Spitze des Klerusverbandes nicht mehr neu kandidieren wolle. Er hat den Verband durch die schwierige zeit des Auf- und Umbruchs gesteuert und dabei immer wieder auf das Konzil als epochales Ereignis verwiesen sowie die Seelsorge in die Mitte des priesterlichen Dienstes gestellt. 1987 kann er – geehrt mit einer Festpredigt von Kardinal Ratzinger – sein goldenes Priesterjubiläum feiern; am 9. April 1991 ist er, wenige Wochen vor seinem 79. Geburtstag, gestorben.  
  Als sein Nachfolger wurde zum 1. Januar 1983 der Pfarrer von München-Thalkirchen Msgr. Josef Grabmaier gewählt, der in seinem Neujahrsgruß an den bayerischen Klerus dazu aufruft, fest im Glauben zu stehen, der aufmuntert, der aber auch auf die Verpflichtung verweist, einmal nicht nur für das einstehen zu müssen, „was wir getan, (sondern ) auch was wir unterlassen haben“. Außerdem gibt er anlässlich der Generalversammlung einen Lagebericht zur „Situation der Pastoral in der Bundesrepublik“. Damit verweist er auf die Pastoral als sein besonderes Anliegen, das er mit einer eigenen Artikelreihe im „Klerusblatt“ „Pastorale Fragen“ verdeutlichen möchte, etwa mit seiner Frage nach den Gründen für negative Entwicklungen in der Kirche oder mit seiner Forderung, die Glaubensverkündigung zu intensivieren (1985).  
  Zum Jahresende 1983 legt auch Msgr. Rieder nach 32 Jahren sein amt als Landessekretär nieder. Seine alljährlichen Tätigkeitsberichte aus den einzelnen Bereichen des Verbandes mit ihrem Auf und Ab im Mitgliederstand, mit der Aufzählung der jeweiligen Hilfeleistungen sind ein zuverlässiger Indikator für den „Zustand“ des bayerischen und pfälzischen Klerus sowie ein Erweis für die Notwendigkeit des Klerusverbandes. Msgr. Rieders besondere Aufmerksamkeit galt der Klerushilfe, die nicht zuletzt durch sein Wirken von zahlreichen Geistlichen testamentarisch bedacht wurde (und wird) und die vielen Priestern über die Grenzen Bayerns hinaus – vor allem in Osteuropa, aber auch in Italien und Frankreich, in Südamerika und Afrika zugute kommt. Als Maxime für seine „Finanzpolitik“ nennt Msgr. Rieder: „Gib dort nicht aus, wo du sparen kannst, spare nicht dort, wo du im Interesse der Sache ausgeben sollst.“  
Nachfolger Msgr. Rieders wird zum 1. Januar 1984 der Neuburger Prälat Michael Seits († 23. April 2002), der allerdings das Landessekretariat nur neben- und ehrenamtlich führen will. Schließlich muss aus gesundheitlichen Gründen auch Dr. Helmut Holzapfel († 3. Oktober 1984) die Redaktion des „Klerusblattes“ abgeben, mit der zum 15. März 1984 der Eichstätter Ordinarius für Liturgiewissenschaft Prof. Dr. Theodor Maas-Ewerd betraut wird. Nach Dr. Holzapfel, dem Würzburger, bekommt das „Klerusblatt“ mit Prof. Maas-Ewerd nun in Eichstätt eine neue geistige Heimat und – bei aller Vielseitigkeit und Ausgewogenheit – eine deutliche Ausrichtung auf der Liturgie als dem Zentrum des Christentums und der „Quelle der Kraft“, wie Prof. Maas-Ewerd einen seiner ersten Beiträge im „Klerusblatt“ überschrieben hat.
Nachzutragen aus den Jahren 1981/82 bleiben noch der Ruf Kardinal Ratzingers an die Kurie in Rom und der Einzug Kardinal Wetters ins Erzbischöfliche Palais in München, der von Msgr. Grabmaier begrüßt wird „als einer, der schon bisher in den Reihen des Klerusverbandes stand und uns seine Gunst erwies“. 1987 kann Prälat Seitz als Landessekretär seit langem wieder eine Stagnation des Mitgliederschwundes melden. Und wenn auch die Mitgliederzahl 1988 nochmals zurückgeht, so scheint sie sich doch in den nächsten Jahren über der Viertausender-Grenze einzupendeln. Von 1989 bis 1991 firmiert Studiendirektor a. D. Georg Warmedinger († 17. April 2005) als Landessekretär, und auf der Generalversammlung 1992 übernimmt Prälat Seit diese Funktion noch einmal für eine Übergangszeit.