"Zäsuren"

 
  Der Bericht über die Generalversammlung 1992 auf dem Hirschberg in Beilngries ist überschrieben mit dem Schlagwort „Zäsuren“, und in der Tag werden dort mit der Bestellung des ehemaligen Oberaudorfer Pfarrers Msgr. Georg Unterstraßer zum neuen Landessekretär und mit der Wahl von Herbert Jung – 1994-2006 Pfarrer in München-Perlach-, St. Michael, und seit 1. September 2006 Pfarrer in Münchens ältester Pfarrei St. Peter – zum Ersten Vorsitzenden die Weichen gestellt für den Weg des Klerusverbandes hin zur Jahrtausendwende.  
  Vielfältige Aufgaben warteten auf den neuen Vorstand: Da war zunächst die aufwendige Renovierung des Gästehauses St. Josef in Garmisch-Partenkirchen, das ohne Nasszellen nicht mehr konkurrenzfähig gewesen wäre und bis heute – liebevoll betreut von den Schwestern Unserer Lieben Frau – für Priester, Ordensleute und Laien ein viel besuchter Erholungsort „für Leib und Seele“ geblieben ist. 1994 galt es, für den Klerusverband den 75. Geburtstag auszurichten: Das eigentliche Fest wurde am 22. Februar 1995 in Nürnberg gefeiert, wo 75 Jahre vorher, am 17. Dezember 1919, die konstituierende Versammlung getagt hat. Den Pontifikalgottesdienst hielt Kardinal Friedrich Wetter, den Festvortrag Prof. Dr. Hans Maier zum Thema „Was heißt Christentum?“. Außerdem erschien zu diesem Anlass eine von Professor Maas-Ewerd herausgegebene Festschrift mit Grußworten des Kardinals und der Diözesanbischöfe sowie mit historischen und dogmatischen Beiträgen. Ferner musste die Vereinssatzung gründlich durchgearbeitet werden, bis sie schließlich im April 1997 und erneut im Juni 2004 vom Registergericht in ihrer neuen Fassung genehmigt wurde.  
  Auf der Generalversammlung des Klerusverbandes im Frühjahr 1997 wurden Stadtpfarrer Jung und Msgr. Unterstraßer einstimmig in ihren Ämtern bestätigt, und im Oktober darauf wurde Pfarrer Jung – nicht zuletzt für seine Verdienste um den Klerusverband – mit dem Titel eines päpstlichen Hauskaplans ausgezeichnet; im Dezember 2006 folgte seine Ernennung zum Prälat. Seit Mai 1999 ist Prälat Jung zudem Aufsichtsratsvorsitzender der LIGA Bank, wodurch die traditionelle Verbundenheit zum Klerusverband und LIGA auch personell zum Ausdruck kommt.  
 

Ebenso einstimmig wie 1997 waren die Wiederwahl von Prälat Jung als Erster Vorsitzender und die Bestätigung von Msgr. Unterstraßer im Amt des Landessekretärs fünf Jahre später auf der Delegiertenversammlung im Kardinal-Wendel-Haus in München. Lider ist Msgr. Georg Unterstraßer schon wenige Wochen danach, am 26. August 2002 verstorben. Über ein Jahrzehnt hin hat er den Klerusverband als Landessekretär begleitet und dabei die Renovierung des Gästehauses St. Josef, die Einführung der EDV und die zahlreichen Unterstützungen der Klerushilfe mitgetragen. Aber nicht so sehr durch Herausragendes, mehr durch die Beständigkeit im Alltäglichen hat er im Klerusverband eine Spur hinterlassen: durch seine Persönlichkeit, seine bayerisch-barocke Lebensart, seine Offenheit und seinen Humor.

 
  Knapp einen Monat nach Msgr. Unterstraßer, am 19./20. September 2002, ist auch der langjährige Schriftleiter des Klerusblattes Prälat Prof. Dr. Theodor Maas-Ewerd völlig überraschend gestorben. 18 Jahre lang hatte er die „Zeitschrift der katholischen Geistlichen in Bayern und der Pfalz“ als verantwortlicher Redakteur durch fachliche Kompetenz, sowie durch die ausgewogene Verpflichtung gegenüber Wissenschaft und Seelsorge geprägt und sie auch durch zahlreiche eigene Beiträge aus der Liturgiewissenschaft bereichert. Seit dem Tod von Professor Maas-Ewerd ist der Geschäftsführer des Klerusverbandes, Dr. Florian Trenner, für das Klerusblatt verantwortlich; er hat auch die Aufgaben des Landessekretärs übernommen, dessen Position nach dem Tod Msgr. Unterstraßers nicht mehr besetzt wurde.  
  Im Oktober 1997 hat der Klerusverband im Gästehaus St. Josef zum ersten Mal Priesterexerzitien (Exerzitienleiter G. R. Klaus Weyers, Berlin) angeboten, die mit großem Zuspruch angenommen wurden. Diese Exerzitien sind inzwischen zur festen Einrichtung geworden. In den folgenden Jahren standen sie unter der Leitung von Dekan Wolfgang Aumer, P. Dr. Bernhard Sirch OSB, Bischof Dr. Reinhold Stecher, Prälat Peter Neuhauser, P. Dr. Robert Locher SJ und Abt Dr. Odilo Lechner. Seit 2002 gibt es im Gästehaus St. Josef auch Schwesternexerzitien, die ebenfalls vielfältig angenommen wurden. Sie wurden bisher von P. Egon Färber, P. Dr. Reinhard Sirch, G. R. Robert Ammer, Abt Odilo Lechner und P. Ralf Birkenheier geleitet. Mit den Exerzitien soll der geistliche Anspruch des Gästehauses St. Josef unterstrichen werden, das der Klerushilfe zum Zweck der „Erholung von Leib und Seele“ testamentarisch vermacht worden war. Garanten für diesen „geistlichen Anspruch“ sind die Schwestern Unserer Lieben Frau, die das Haus vorbildlich betreuen und seine Atmosphäre prägen.  
  Im Dezember 2007 feiert das Gästehaus St. Josef sein 50-jähriges Bestehen. Dieses Jubiläum soll mit einer Feier und einer Festschrift gegangen werden. Darin kommen die Schwestern zu Wort, die das Haus während eines halben Jahrhunderts betreut haben, außerdem wird Prälat Prof. Dr. Alfred Läpple einen Beitrag schreiben. Er kennt noch den „Vorgänger“ des Gästehauses St. Josef in der Ludwigstraße, er kannte die Stifter des Heims und er feierte 1947 seine Primiz in St. Anton/Partenkirchen. Damals ging dem Primizianten ein junger Zeremoniar voraus: Joseph Ratzinger.  
  Noch als Diakon war Joseph Ratzinger dem Klerusverband im Jahr 1951 beigetreten. Er hat ihm als Professor, Erzbischof und Kurienkardinal die Treue gehalten und auch heute noch dürfen wir Papst Benedikt XVI. das Klerusblatt allmonatlich in den Palazzo Apostolico schicken. Es dürfte einmalig bleiben in der Geschichte des Klerusverbandes, dass eines seiner Mitglieder zum Nachfolger  des hl. Petrus gewählt wird. Entsprechend groß war die Freude, als von der Loggia des Petersdomes in Rom am 19. April 2004 nach dem „Habemus papam“ der Name des früheren Erzbischofs von München und Freising verkündet wurde.  
  Die Treue Papst Benedikts XVI. zum Klerusverband kommt auch in seinen knapp 40 Beiträgen zum Ausdruck, die er seit 1958 zur Veröffentlichung im „Klerusblatt“ zur Verfügung gestellt hatte. Wir sind dem Hl. Vater sehr dankbar, dass er uns die Genehmigung gegeben hat, all diese Beiträge in einem Sammelband zugänglich zu machen.  
  Dieser Band erscheint 2007 in Zusammenarbeit mit der LIGA Bank zu deren 90-jährigen Bestehen. Er setzt damit eine kleine Buchreihe fort, die 2001 mit dem Band „Unter bayerischem Himmel im Jahreslauf – Zur Verehrung der Heiligen“ begonnen wurde. 2004 folgte „Vater unser im Himmel“ mit zwölf Beiträgen, die das Gebet des Herrn unter den verschiedenen Aspekten der Theologie, sowie auch seitens der Literatur-, Musik- und Kunstwissenschaft beleuchten und 2006 erhielten die Mitglieder von Klerusverband und LIGA ein Jahrbuch mit meditativen, ermutigenden oder erheiternden Texten für jeden Tag mit dem Titel „… Sein ist die Zeit und die Ewigkeit …“.  
  Seit Bestehen des Klerusverbandes war die Unterstützung von Priestern, Diakonen und Ordensleuten in Not ein zentrales Anliegen. Diesem Anliegen wurden die Mitglieder des Klerusverbandes gereicht, indem sie – vor allem in der Adventszeit nach dem alljährlichen Aufruf im Klerusblatt – großzügige Spenden überwiesen oder indem sie die Klerushilfe hochherzig in ihrem Testament bedacht haben. Diesem Anliegen wurden aber auch die Verantwortlichen der Klerushilfe gerecht, die die anvertrauten Gelder nach sorgfältiger Prüfung an bedürftige Kleriker weiter gegeben haben. Dabei wurden vor allem alte Priester in Afrika, Südamerika sowie in Osteuropa unterstützt und jungen Klerikern wurde eine Starthilfe gegeben. Aber auch einigen Mitbrüdern in Deutschland, die durch Unfall und Krankheit in finanzielle Not geraten sind, konnte geholfen werden.  
  Im Jahr 2000 fand die gemeinsame Delegiertenversammlung von Klerusverband und LIGA zum ersten Mal außerhalb Bayerns und der Pfalz statt und zwar in Dresden, wo die LIGA bereits seit 1999 eine Filiale besitzt. Mit Dankbarkeit und Applaus wurde dabei vor allem der ermutigende Vortrag „Der Geist Gottes im Heute“ von Bischof Dr. Reinhold Stecher aufgenommen. Anders, aber ähnlich beeindruckend war dann drei Jahre später auf der Delegiertenversammlung in Ludwigshafen die Diskussion mit dem früheren Bundeskanzler Dr. Helmut Kohl, der offen auf alle Fragen der Delegierten einging und seine Antworten in den großen Zusammenhang der Geschichte und Politik stellte. 2005 sprach Bischof Clemens Pickel in Regensburg vor den Delegierten über seine Diözese Saratow/Russland, die viermal so groß ist wie Deutschland, und 2006 hielt Dr. Manfred Lütz ein heiteres aber nachdenkliches Plädoyer für das Leben „Lebenslust – über Risiken und Nebenwirkungen der Gesundheit“.  
  Zum Jahresende haben die bayerischen Bischöfe die Verpflichtung zum Bezug des seit 1922 vom Klerusverband herausgegebenen Pfarramtsblattes aufgehoben. Diese Entscheidung zwang den Vorstand des Klerusverbandes dazu, das Pfarramtsblatt, das wichtige Meldungen, Predigten, Informationen und Vorträge über die engen Diözesangrenzen hinaus gesammelt hatte, zum 31.12.2004 einzustellen. Seitdem versucht nun das Klerusblatt – bei erweitertem Umfang und zum seit mehr als 20 Jahren unveränderten Preis – wenigstens einige der aufgaben des Pfarramtsblattes zu übernehmen.  
  Um die in der Satzung festgelegten Aufgaben – die Verteidigung der Standesehre, die Unterstützung von Klerikern in Not, die Herausgabe des Klerusblattes u. a. – erfüllen zu können, braucht der Klerusverband die Solidarität der Priester und Diakone. Deshalb sind alle Kleriker herzlich eingeladen und gebeten, Klerusverband, Klerushilfe und Klerusblatt zu unterstützen und mitzutragen. Dabei könnte der Blick auch über die Grenzen Bayerns und der Pfalz hinausgehen, zumal die LIGA Bank mit Filialen und Dependancen in den Diözesen, Rottenburg-Stuttgart, Dresden, Görlitz, Freiburg sowie in Österreich schon vorausgegangen ist, und auch das Klerusblatt wird schon außerhalb der bayerischen Bistumsgrenzen gelesen.  
Aber von diesen Visionen zurück in die Gegenwart: Vorerst sind die Diözesanvereine von acht /Erz-)Diözesen im Klerusverband zusammengeschlossen: Augsburg mit dem Diözesanvorsitzenden Msgr. Franz Götz, Bamberg mit Domkapitular Dr. Gerhard Förch als Vorsitzenden, Eichstätt mit Msgr. Andreas Risch an der Spitze, München und Freising mit Msgr. Werner Eichinger, Passau mit BGR Rudolf Kallmaier, Regensburg mit Regionaldekan Prälat Hans Strunz, der zugleich zweiter Vorsitzender des Klerusverbandes ist, Speyer mit Pfarrer Arno Vogt und Würzburg mit Domkapitular Msgr. Günter Putz.
Diese acht Diözesen hat die Bildhauerin Christine Stadler auf jenem Bronzerelief, das die Titelseite dieses Heftes Zeigt, als acht Gestalten um Christus geschart. Sie stützen sich, sie halten zusammen, sie sind untereinander verbunden. Im Zentrum aber steht Christus, ohne den alles menschliche Tun ins Leere geht. Zu ihm erheben sich die Hände, sich öffnend, bittend, betend, dankend. Dabei ist Christus der auferstandene, er erhöhte Herr. Er hat den Tod überwunden, die zum Kreuz geformten Arme sind ausgebreitet und dem Nächsten zugereicht. So korrespondieren auf dem Klerusverband-Relief von Christine Stadler Kreuz und Kreis, Gebrochenheit und fülle. Papst Benedikt XVI., der dem Werk von Christine Stadler seit seinen Münchner Jahren verbunden ist, hat darauf verwiesen, „dass auch die liturgische Gebärde des Segnens in der Kirche den Kreis und das Kreuz umfasst: das Umschreiben, Umarmen und Bergen des Ganzen und sein Formen von der Achse des Kreuzes her, das die Enden der Welt trägt und zusammenhält!. In diesem Sinne verbildlicht Christine Stadlers Relief den Grundgedanken des Klerusverbandes von der „Sammlung aller positiven Kräfte“ (Kardinal Faulhaber) gemäß dem Johannes-Wort „Ut omnes unum sint“ (Joh. 17,21).